Ein großes Programm braucht eine große Stimme. Eine, die Kraft, Glanz und Volumen hat. Der Bariton Ulf Paulsen, Sänger am Anhaltischen Theater, besitzt eine solche Stimme. Gemeinsam mit Korrepetitor Stefan Kozinski stellte er sich am Sonntag imSpiegelsaal von Schloss Köthen einem langen, schweren, klug konzipierten romantischen Programm: seinem neuen Liederabend.
Fünf Orchesterlieder Gustav Mahler nach Texten von Friedrich Rückert, ein halbes Dutzend Mendelssohn-Lieder davor, Brahms und Schubert danach. Und alles unter dem Motto „Nächtliche Frühlingsstimmungen“ auswendig vorgetragen. Kein Wunder, dass die überwiegend ältere Hörerschaft so ergriffen stille saß. Immer wieder überraschte Paulsens interessante Stimme, ihr edles Timbre in allen Lagen. Ein Fortissimo, das niemals schepperte und das der Sänger bis hin zur physischen Erfahrbarkeit aufzuziehen sich traute, in Mahlers „Um Mitternacht“ weit über das Erwartbare hinaus. Und jene Helligkeit, die sich Paulsen für die Schubert-Lieder aufgespart hatte – ein Singen der Seele.…